Schweden / Finnland 2013 zweite Woche

28. Juli 2013 Sandviken S

Heute fuhren wir zunächst mit dem Motorrad nach Östersund zur Touristeninformation. Dort sammelten wir einige Prospekte über den Norden Schwedens und Östersund selbst. Anschließend fuhren wir über die Brücke nach Frösön zurück und machten an einem Picknickplatz direkt am See Störsjön halt. Von dort hatten wir einen prima Blick auf die Stadt inklusive Seemonster aus Stein. Weiter ging es zu einem Aussichtsturm, von welchem man die Gegend um den See überblicken konnte. Hier zahlten wir 20 SEK (ca 2,30 Euro) pro Person und fuhren gemütlich mit dem Aufzug nach oben. Leider war der Ausblick nur durch Fensterscheiben zu genießen, so dass das Fotografieren etwas schwierig war. Das nächste Ziel war Moose Garden, eine Elchfarm (110 SEK pro Person – ca 13,50 EURO). Hier erzählte der Hausherr in einem Gewirr aus Sprachen Anekdoten zu seinen Elchen und führte uns zu dem weitläufigen Gehege, in welchem 6 der beeindruckenden Tiere lebten. Nach der Fütterung konnten wir das Gelände betreten und die Giganten fotografieren, streicheln und wer wollte sogar küssen. Angesichts der Hauptreisezeit und dass es Sonntag nachmittags war, waren wesentlich mehr Menschen als Tiere im Gehege, was uns offensichtlich mehr irritierte als die Elche selber, die friedlich fraßen und sich geduldig mit den Besuchern ablichten ließen. Nach diesem schönen Ausflug ging es erst mal zurück zum Campingplatz, wo wir uns kurz ausruhten und das freie Wlan nutzen, um erste Bilder hochzuladen und Mails zu checken. Danach schmissen wir uns nochmal in unser Motorradoutfit und fuhren bis zur Fußgängerbrücke von Frösön nach Östersund. Diese beschritten wir dann zu Fuß und gelangten direkt am Ende der Brücke zu dem an diesem Tag endeten Rummel. Hier gab es Verkaufsstände, Karussells und jede Menge Müll. Es herrschte reges Treiben beim Abbau der Buden und Säubern der Stadt. Auch im Zentrum waren viele Verkaufsstände aufgebaut. An der Seepromenade schlenderten wir noch ein wenig am Rummel entlang und machten uns dann auf den Rückweg. Zur Dämmerung gingen wir nochmal über die Straße zum anderen Teil des Campingplatzes vor an einen Steg, der in den Strönsjö führt, um Fotos von dem Abendrot und der Brücke, die von hier nach Frösön führt, zu machen. Anschließend setzen wir uns noch an den Steg und schauten auf die Lichter der Stadt. Kurz bevor wir wieder den Bus erreichten, fing es an zu regnen.


29. Juli 2013 Östersund S – Stekenjokk S (11:00-19:00)

Heute hatten wir uns den Wecker etwas früher gestellt, da wir wieder mal eine weitere Strecke schaffen wollten. Vor dem Losfahren nutzten wir noch die Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten (die Entsorgung des Abwassers war nur mit einem Behälter möglich, da es keinen Bodenablauf gab), sowie die Duschen am Platz. Danach luden wir das Motorrad auf und begaben uns zunächst Richtung Mörsil, wo wir das Kreislaufhaus besuchten. Dabei handelt es sich um ein Öko-Haus, in welchem sich ein Café sowie ein Bio-Laden befinden. Um das Haus herum sind schön angelegte Beete und Gärten sowie ein großer Hühnerstall. Eigentlich wollten wir das dortige Buffet als Mittagessen nutzen. Allerdings hat uns die Essensauswahl nicht wirklich überzeugt, deshalb blieb es bei einem Einkauf in dem Bioladen. Anschließend fuhren wir wieder Richtung Östersund zurück, um dann Richtung Norden zum Vildmarksvägen (Wildnisstraße) abzubiegen. Bis kurz vor Gäddede kamen wir auf gut ausgebauten Straßen sehr zügig voran. Da wir uns noch den Hällingsåfallet (Womo-Tipp) ansehen wollten, bogen wir auf eine Schotterpiste ab und fuhren noch ca. 25km bis zu dem großen Wasserfall. Die Strecke war teilweise äußerst spektakulär. Immer wieder boten sich Stellen mit tollem Ausblick auf das Bergpanorama und blau schimmernde Seen. Vom angesteuerten Wanderparkplatz ist es nur ein sehr kurzer Weg bis zum Wasserfall und dem anschließenden Canyon. Das Schauspiel ist sehr eindrucksvoll. Die Wassermassen stürzen sich 45m in die Tiefe, um dann in einem Canyon weiter zu fließen. Nachdem wir einige Fotos gemacht hatten, begaben wir uns wieder in den Bus und fuhren weiter Richtung Stekenjokk. Auch hier mussten wir zunächst wieder 20km Schotterpiste hinter uns bringen, bis wir bessere Straßen erreichten. Unser Ziel für diesen Tag war ein Parkplatz auf einer Hochebene umringt von tollem Bergpanorama und einem schönen See. Das alles liegt schon deutlich über der Baumgrenze und vermittelt deshalb eine ganz eigene Stimmung.


30. Juli Stekenjokk S–Nähe Moskosel am Piteälv S (10:00 – 17:30)

Wir wachten auf in einer gigantischen Landschaft am Rande eines Bergsees. Die Gipfel der Berge waren teilweise verhüllt in dicken Wolken, manche wurden von der Sonne hell angestrahlt. Unglaublich wie ruhig es hier war. Man hörte nichts außer dem Plätschern des Sees und einzelne Rufe der Möwen. Heute wollten wir weiter Richtung Norden fahren. Leider begleiteten uns dicke graue Wolken auf der gesamten Tour, die aber glücklicher Weise nur vereinzelt nasse Tropfen auf das Auto prasseln ließen. Unseren ersten Stopp machten wir kurz hinter Saxnäs am Trappstegsforsen, der im Womoführer als „schönster Wasserfall Schwedens“ bezeichnet wird. Hier sprach uns ein deutsches Pärchen auf unseren Bus an. „Ich habe gerade mal reingeschaut und gedacht: Das ist es!“ Recht hat sie, vielen Dank! Weiter ging es nach Vilhelmina, wo wir tankten und einkauften und uns vom Vildmarksvägen Richtung Norden verabschiedeten. Ca. 20 km nach Vilhelmina legten wir an einem Parkplatz vor einem Campingplatz eine Rast ein, nach der sich Steffi für ca. 120 km hinters Steuer setzte. Kurz hinter Arvidsjaur begegneten uns die ersten 2 Rentiere auf dieser Reise am Straßenrand. Unser Nachtlager richteten wir nach einem Womo-Tipp am Fluss Piteälv ein. Hier sind auf einem Feldweg immer wieder Einfahrten erkennbar, die jeweils zu einem Stellplatz mit Feuerstelle direkt am Fluss führten. Wir wählten den letzten und kleinsten aus, verdrückten uns fürs Essen aber ins Innere des Buses, da es hier vor Mücken nur so schwirrte. Nach dem Essen wagten wir uns dann mit Mückenschutzhut und dick eingepackt doch nochmal vor den Bus, um das tolle Panorama zu genießen.


31. Juli 2013 Nähe Moskosel S– Kiruna S (10:00 – 18:30)

Der Regen begann schon am Abend zuvor und hielt die ganze Nacht an. Morgens wurden wir somit nicht nur vom rauschenden Fluss, sondern auch von den trommelnden Regentropfen geweckt. Fürs Frühstück wechselten wir kurz den Stellplatz auf einen Parkplatz auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses. Anschließend ging es wieder auf die E45 Richtung Jokkmok. Kurz vor dieser kleinen Stadt machten wir noch einen kurzen Stopp am Polarkreis. Allerdings war auch dort das Wetter eher schlecht und wir machten nur ein kurzes Andenkenbild, bevor wir uns wieder auf die Straße begaben. In Jokkmok steuerten wir das Ájtte (Schwedisches Fjäll- und Sami) Museum an. Dort kann man einiges über die Kultur der Sami lernen. Es wurden Szenen des Lebens der Samen als Holzschnitzereien dargestellt und gezeigt, welches Tier, welche Köttel macht. Außerdem konnte man einem virtuellen Flug über das Lappland inklusive Sturzflug mit Halt in den Bäumen beiwohnen. Allerdings gab es leider keine deutschen Besucherunterlagen und wir mussten uns mit einem englischen Heftchen begnügen, welches die Ausstellungsräume auch nur sehr oberflächlich beschrieb. Die ausgestellten Gegenstände waren nicht einmal auf Englisch beschrieben. Schade. Die letzte Etappe führte uns dann bis nach Kiruna. Dort erkundigten wir uns erst in der Touristeninformation was man sich alles ansehen kann. Eigentlich hatten wir eine Besichtigungstour durch das LKAB-Bergwerk geplant. Die war allerdings nur auf Englisch buchbar und uns zu teuer. Somit planten wir nur einen Stadtrundgang für den nächsten Tag. Nun ging es auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Zuerst fuhren wir zum Rippan Camping direkt in Kiruna. Dieser überzeugte uns aber nicht wirklich. Deshalb beschlossen wir einen anderen Campingplatz aus dem Reisehandbuch ca. 15km außerhalb Kirunas in Jukkasjärvi anzusteuern. Dort angekommen hatte endlich der Regen nachgelassen und die Sonne zeigte sich sogar. Allerding scheint der Campingplatz nicht mehr zu existieren. Auch die schöne Kirche sowie das Sami-Museum hatten schon geschlossen und wir kehrten wieder nach Kiruna zurück und begaben uns doch auf den Rippan Camping. Dieser Platz ist etwas eingekeilt zwischen einer Hochhaussiedlung. Man steht auf Schotterplätzen und die Preise sind wirklich gesalzen: für zwei Nächte haben wir umgerechnet 65€ bezahlt! Damit war das bisher unser teuerster Aufenthalt. Gezwungenermaßen fragt man sich, für was man diese horrende Summe zahlt, da die Duschen nochmals satte 10 SEK (1,20 EURO) kosten. Wenigstens gibt es hier freies Internet.

 

1. August 2013 Kiruna S

Heute stand die Besichtigung von Kiruna auf dem Plan. Vom Campingplatz aus erreicht man die Innenstadt zu Fuß nach ca. 20 Minuten. Das erste Ziel war die Holzkirche, die in Form eines Sami-Zeltes errichtet wurde. Das Innere der Kirche war komplett aus Holz und mit kunstvoll geschnitzten Details verziert. Über dem Altar hing ein großes Landschaftsbild. Weiter ging es Richtung Rathaus, wo wir den Glockenturm fotografierten. Anschließend schlenderten wir noch durch ein paar Läden der Stadt. Unter anderem schauten wir uns ein Samenshop an, der handgemachte samische Souvenirs bot. Zurück am Bus machten wir Mittag und schwangen uns danach aufs Motorrad nach Jukkasjärvi. Diesmal war das samische Freiluftmuseum zwar offen, wir entschieden uns aber dagegen, hineinzugehen, da der Preis nicht mit unserem restlichen schwedischen Geld harmonierte. So entschieden wir uns nur das Café zu besuchen. Aber erst später,… wenn der Reisebus mit den vielen Menschen, die es schwer machten sich zu bewegen, gefahren ist. Zunächst gingen wir in die benachbarte kleine Kirche. Diese hatte über dem Altar drei sehr bunte, große, geschnitzte Abbildungen, die Samen darstellten. Die mittlere zeigte Jesus am Kreuz in einer Blumenwiese. Auch der Rest der Kirche war faszinierend. Wir wunderten uns über die Sanduhren an der Kanzel und bestaunten die schöne Orgel. Auf der Wiese der Kirche spazierte ein Eichhörnchen, das uns mindestens genauso interessiert betrachtete, wie wir es. Es ließ sich geduldig fotografieren, posierte und verschwand anschließend in den Höhen des Baums. Da sich nun der Andrang im Café des Museums gelegt hatte, stand jetzt dessen Besuch an. Das Café ist ein samisches Zelt, in dessen Mitte ein wärmendes Feuer prasselte. Die Tür ist mit Rentierfell bezogen und die Bänke und Tische sind aus Holz. Der Duft des brennenden Holzes und das schummrige Licht geben ein ganz spezielles Flair. Wir entschieden uns für gegrilltes samisches Brot mit Rentierfleisch, welches wir aufgrund des warmen Wetters im Außenbereich mit Genuss verspeisten. Anschließend liefen wir noch ein wenig durch den Ort, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Auf der Strecke nach Kiruna hielten wir am Laxforsen (Wildwasser-Fluss). Hier genossen wir ein wenig die Landschaft und die herrliche Sonne. Nach einem Stopp bei einem Laden, welcher Rentierfleisch verkaufte, kamen wir gegen 17 Uhr wieder am Campingplatz an.


2. August 2013 Kiruna S – Kilpisjärvi FIN (10:30 – 17:00)

Typisch für einen reinen Fahrtag standen wir heute bei Regen auf. Nachdem wir unseren Bus für die Weiterfahrt klargemacht hatten, ging es los Richtung Finnland. Vorher gingen wir noch einkaufen und gaben die letzten schwedischen Kronen aus. Noch vor der Grenze mussten wir ein sehr langes Stück sehr schlechte Schotterpiste hinter uns bringen. Die Grenze passierten wir in Karesuvanto. Da wir nicht genügend Bargeld in Euro dabei hatten, mussten wir uns erst mal mit Geld versorgen. Laut Navi ist der nächste Automat stolze 50km entfernt. Also ist Micha in die örtliche Tankstelle marschiert, um nachzufragen, wo man noch an Geld kommen kann. Wie es der Zufall will scheint die lokale Tankstelle neben Benzin auch Kettensägen, Lebensmittel, Tierfutter und Bargeld zu verkaufen. Was für ein Glück. So ging es dann weiter Richtung Kilpisjärvi. Dieser Ort liegt wirklich am Ende der Welt, zumindest am Ende Finnlands. Im Westen liegt Schweden, im Norden und Osten Norwegen. Auf dem örtlichen Campingplatz eingecheckt, mussten wir uns erst einmal ein Plätzchen zwischen den vielen leerstehenden Hüttchen auf dem Platz suchen. Der Platz selbst ist nicht wirklich schön, die Aussicht von unserem Stellplatz aber umwerfend. Rundum ein herrliches Bergpanorama. Und direkt vor uns der große See. Ab und an trottete ein Rentier direkt an unserem Bus vorbei. Wir machten noch einen kurzen Spaziergang in die Umgebung und erkundeten, wo wir am nächsten Tag die geplante Bootsfahrt starten können. Anschließend begaben wir uns trotz taghellem Licht vor dem Bus um ca. 23 Uhr in die Betten.


3. August 2013 Kilpisjärvi FIN

Eigentlich wollten wir heute eine Bootstour zum Dreiländereck machen. Allerdings hat uns das Wetter im positiven Sinn einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bereits kurz nach dem Frühstück lachte die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Da fanden wir es dann doch besser heute die Wanderung auf den Saana, den hohen Berg (knapp über 1000m) hinter dem Campingplatz zu unternehmen, um bei dem Wetter die Fernsicht zu genießen. Gegen 12 Uhr zogen wir dem Berg entgegen. Bis zum Gipfel sind es nur ca. 4km, allerdings aber auch ca. 500 Höhenmeter. Nach einem normalen Wanderweg kommt man recht schnell an eine unglaublich lange Treppe, die sich den Berg hinauf schlängelt. Immer wieder blieben wir stehen und bewunderten die eindrucksvolle Aussicht auf den Kilpisjärvi und die umliegenden, teilweise schneebedeckten Berge. Wenn man glaubt, man habe mit der Treppe den anstrengendsten Teil hinter sich, hat man sich aber gründlich getäuscht. Anschließend wanderten wir nochmal eine ganze Weile über Geröllfelder und steile Hänge dem Gipfel des Berges entgegen. Was das Wandern etwas erschwert hat, war der nun sehr starke Wind. Oben angekommen hat man ein unglaubliches Panorama in alle Richtungen. Weit unter einem liegt der See und wir hatten eine schöne Sicht auf Schweden, Norwegen und Finnland. Wir trugen uns in das Gipfelbuch ein, machten eine kleine Rast und begaben uns wieder auf den Abstieg. Insgesamt benötigten wir etwas mehr als vier Stunden für die Tour. Aber die Anstrengungen haben sich definitiv rentiert. Zurück am Platz ließen wir den Tag ruhig ausklingen.

 

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