Schottland 2014 – erste Woche

Samstag, 23.08.14 Zuhause – Calais

Etwas später als geplant starteten wir gegen 11:00 Richtung Calais. Noch in Deutschland standen wir lange im Stau und hatten von Sonnenschein über Starkregen, Hagel und Gewitter alles an Wetter mitgenommen, was der angebliche Sommer zu bieten hat. Über ein kurzes Stück durch die Niederlande ging es schließlich über Belgien, vorbei an Brüssel, nach Frankreich. In Calais angekommen steuerten wir direkt einen offiziellen Womo-Stellplatz an. Dieser befindet sich direkt an der Hafeneinfahrt gegenüber der Fähranleger. Wir hatten das Glück, den letzten freien Platz zu ergattern. Nachdem wir einige Zeit herumirrten und jemanden suchten, bei dem wir den Platz bezahlen konnten, gaben wir auf. Es würde jemand vorbei kommen, der kassiert, hieß es,… Am Abend unternahmen wir, verführt vom wunderschönen Sonnenuntergang noch einen kurzen Spaziergang am Strand.


Sonntag, 24.08.14 Calais – Loch Trool

Bereits um 6:00 klingelte unser Wecker. Eigentlich wollten wir in Frankreich noch tanken, aber alle Tankstellen, die wir in Calais ansteuerten, hatten noch geschlossen. So absolvierten wir bereits um kurz nach sieben die Passkontrolle der britischen Border Police und begaben uns in die Warteschlange zum Befahren der Fähre. Nach ca. einer Stunde konnten wir dann als erstes Fahrzeug auf die Fähre fahren. Kurz vor der Einfahrt in den Hafen von Dover bestaunten wir die schönen Kreidefelsen. Schließlich ging es endlich runter vom Schiff und wir suchten gleich mal einen Geldautomaten in der Innenstadt von Dover. Da wir das erste Mal mit Linksverkehr unterwegs waren, war das Ganze wirklich spannend. Die Fahrt Richtung Norden lief dann erstaunlich gut. Bis Schottland sind die Straßen sehr ordentlich ausgebaut. Erst ca. 50km vor unserem Ziel, dem See Loch Trool, wurden die Straßen sehr schmal und extrem kurvig. Für das letzte Stück brauchten wir dann auch erstaunlich lange. Gegen 19:30 kamen wir schließlich bei schönstem Sonnenschein auf dem herrlichen Parkplatz hoch über dem See an. Dort ergatterten wir ein ordentliches Plätzchen direkt hinter einem anderen deutschen Wohnmobil. Wir unternahmen noch einen kurzen Spaziergang zum Bruce-Stone und genossen das Panorama über den von hohen Bergen umringten See.


Montag, 25.08.14 Loch Trool – Stirling

Nach dem Frühstück auf unserem Übernachtungsplatz fuhren wir ca. 5km über die einspurige Straße zurück zum Loch Trool Visitor Center. Dort bekamen wir eine Wanderkarte mit Tourenvorschlägen für die Region. Wir entschieden uns, den Bus auf dem dortigen Parkplatz stehen zu lassen (3GBP/Tag) und suchten uns eine Wanderung aus, die ca. 8km durch das Tal verläuft. Entlang eines schönen kleinen Flusses schlängelte sich der Weg abwechselnd durch Wald und über gerodete Freiflächen. Kurz vor dem eigentlichen See bogen wir ab und bestiegen einen der Berge. Von dort aus ging es dann zurück zum Visitor Center. Dort angekommen steuerten wir mit dem Bus noch einen Parkplatz an, den wir auf der Wanderung entdeckt hatten. Von dort aus liefen wir noch bis zum See. Leider kann man nicht direkt an das Wasser. So hatten wir keine Möglichkeit für einen kurzen Bootstrip. Gegen 15:00 brachen wir auf nach Stirling. Über sehr enge und kleine Sträßchen, gesäumt von Schlaglöchern, schlängelten wir uns Richtung Küste und von da aus gen Norden. Über Glasgow (mit totalem Verkehrschaos inkl.
verwirrender Verkehrsführung) ging es durch geschätzte tausend Kreisverkehre bis zu dem Endziel, einem Campingplatz, der ca. 5km außerhalb von Stirling liegt.


Dienstag, 26.08.14 Stirling

Heute Morgen brachen wir zu einer Wanderung auf, die wir über die App komoot entdeckten. Die Karten, die es am Campingplatz zu kaufen gab, waren sehr teuer und so verließen wir uns ausschließlich auf die Technik. Durch Wälder ging es die Ochil Hills hinauf. Von dort hatte man einen schönen Blick auf die Gegend und konnte die rauchenden Industrieschornsteine über Glasgow erkennen. Über Schafsweiden ging es dann weiter zum Cocksburn Resevoir, einem kleinen See. Dort machten wir Pause und schauten den Schwänen bei ihrer Futtersuche zu. Anschließend ging es ein Stück den Weg wieder zurück und weiter zum Universitätsgelände, das das Airthrey Loch und Castle beherbergt. Zurück am Platz genossen wir ein wenig die Sonne und beschlossen, abends nach dem Essen nochmal nach Stirling reinzufahren, da dort laut Reise know how vor dem Castle eine Highland-Dance and Pipe-Band auftritt. Nach Stirling fuhren wir mit dem Motorrad. Am Castle angekommen leuchtete die untergehende Sonne rot auf das Land. Hier und da waren ein paar Besucher und die Türen des Burggeländes wurden gerade geschlossen. Wir schauten nochmals im Internet nach und sahen, dass die Band wohl im Jahre 2012 aufgetreten war,… Wir liefen über den anliegenden Park zu einem Aussichtspunkt, von dem man einzelne Türme des Castles erkennen konnte. Anschließend fuhren wir zurück zum Campingplatz.


Mittwoch, 27.08.14 Stirling – Strone Hill

Heute versprach uns der Wetterbericht einen sonnigen Tag. Deshalb war unser Plan, einen See zu finden, an dem wir unser Boot zu Wasser lassen konnten. Dazu suchten wir uns mehrere Stellplätze aus dem WoMo-führer aus, die wir anfuhren. Zunächst steuerten wir Loch Achray an. Nach längerem Überlegen entschieden wir uns aber, weiter zu fahren. Im Nachhinein ist es etwas schade, dass wir es hier nicht versucht hatten, dass Boot aufzubauen.  Also weiter zum Loch Katrine. Eine wunderschöne Gegend mit dem Queen Elisabeth Forest Park empfing uns. Wir rasteten auf einem Hügel, von dem man die ganze Pracht der Landschaft überblicken kann. Nun folgten wir der Beschilderung des Three Loch Ways. Da man zum Parken ein Ticket hätte lösen müssen, hielten wir höchstens kurz an, aber die Strecke hat auch so ihren Reiz. Man fährt langsam über Schotterpisten bergauf, mal bergab und erhält hier und da einen Blick auf den See und die wild wachsenden Flora. Hier fanden wir leider keinen geeigneten Platz für das Boot. Schade, auch das Loch sah sehr reizvoll aus. Als nächstes ging es zum Loch Lomond. Der See ist sehr groß, so dass auf ihm auch Ausflugsschiffe schipperten. Der erwählte Stellplatz war ein Parkplatz an einer Touristeninfo und Ausgangspunkt für Schiffstouren. Für unsere eigene Tour war uns der Wellengang zu stark. Langsam ein bisschen frustriert düsten wir nun Richtung Loch Long, an dem es einen Stellplatz und einen Campingplatz geben sollte. Der Campingplatz ist mittlerweile ein Hüttendorf und der Stellplatz ist betitelt mit „No overnight parking“. Der nächste Platz am Argyll Forest begrüßte uns mit den gleichen Worten. Wir genossen den Blick von dort hinab ins Tal und fuhren nach Inveraray, dort hindurch zu unserem endgültigen Übernachtungsplatz Strone Hill. Dies ist ein Parkplatz, der in der Nähe der Straße liegt, aber von dort nicht einsehbar ist. Wir parkten an einer Picknickbank und machten uns mit Wein und Chips zum 800 m entfernten Wasserfall auf und genossen nun endlich die Sonne und Natur um uns herum.


Donnerstag, 28.08.14 Strone Hill – Glen Nevis

Heute erwachten wir bei drüben Nieselwetter. Unsere Etappe ging bis Fort Williams auf den dortigen Campingplatz. Bereits die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis. Eine Mischung aus „ein Land vor unsere Zeit“ und „Harry Potter“ begegnete uns zu Beginn unserer Tour. Im Tal satte grüne Bäume, die Berggipfel verschwanden sanft in den Wolken. Nebelschwaden stiegen aus den dichten Wäldern empor. Die Sonne, die sich zwischen den grauen Wolken ihren Weg bahnte, verlieh dem gesamten Bild eine mystische Stimmung. Hier und da wurden wir verführt links ran zufahren und die Aussicht zu genießen. Langsam veränderte sich die Landschaft. Die Bäume verschwanden und die Berge waren mit flauschigem Moos und Heidekraut bunt geschmückt: Die Highlands hießen uns willkommen. Hier mussten wir nun einfach halten, den Rucksack packen, Mückenmittel aktivieren und ein paar Schritte den Berg hinauf wandern. Nach ca. 1,5 km machten wir Rast an einem Wasserfall und kehrten anschließend zum Bus zurück. Um ca. 13 Uhr erreichten wir dann den Glen Nevis Caravan Park (31 Pfund für 2 Nächte). Bei herrlichem Sonnenschein und Blick auf das Gebirge aßen wir zu Mittag. Anschließend sattelten wir das Motorrad und fuhren durch Glen Nevis. Auch hier waren wir begeistert von dem Blick auf das Tal und die anliegenden Berge, die wir auf der kurvenreichen, teils einspurigen Strecke rechts und links erblickten. Hier mitten im Tal hat es etwas märchenhaftes mit den dichten Wäldern, moosigen Steinen und sanften Wasserfällen. Vollendet wird das Ganze von den Schafen, die am Wegrand, ungerührt vom Geknatter des Motorrads grasten. Ich bin begeistert. Danach fuhren wir Richtung Fort Williams zum Loch Lundava. Hier waren die Berge weniger dicht bewaldet und die Schafe etwas unentspannter. Dennoch war es hier nicht weniger eindrucksvoll. Ein ständiges Hoch und Runter ergab ein lustiges Magengefühl und überraschte mit einem schönen Blick auf den Hafen von Fort Williams. Das Loch war leider nicht direkt zu erreichen. Mittlerweile waren die grauen Wolken fast komplett verschwunden. Beim Abendessen vor dem Bus stellten wir fest, dass hier kaum ein „klassisches“ Wohnmobil auf dem Campingplatz stand. Um uns rum versammelten sich VW-Busse, Sprinter oder Vans, die den Campern als Behausung dienen. Ich bin begeistert!


Freitag, 29.08.14 Glen Nevis

Heute begann der Tag trüb, Regen prasselte auf das Busdach. Als wir gegen 13 Uhr ein paar blaue Flecken am Himmel entdeckten, starteten wir, dem Regen zum Trotz, die ca. 9 km lange Tour um den Cow Hill Richtung Fort William. Ausgerüstet mit Regenhose, Regenjacke und Rucksackschutz schwitzten wir noch am Anfang, doch dann wurde das Wetter wieder rauher, je höher wir stiegen. Bald waren keine blauen Stellen mehr am Himmel zu erkennen und die Sonne hatte sich heute noch nicht blicken lassen. Der Wind wurde stärker und unsere extra für diesen Urlaub angeschaffte Regenkluft wurde dem Härtetest ausgesetzt. Der Blick hinab ins Tal auf Fort William war dann doch klar aber nicht wirklich schön. Die Häuser sahen alle recht gleich aus und waren in einem 70er Jahre beige gehalten. Am Hafen schaukelten ein paar Boote an ihren Leinen. Die Berge lagen aber weiterhin in Wolken. Durchnässt, aber mit zwei Dosen schottischem Bier im Gepäck kamen wir wieder am Platz an und verließen den schützenden Bus heute nicht mehr.


Samstag, 30.08.14 Glen Nevis – Craignure (Isle of Mull)

Heute verließen wir Glen Nevis bei trübem Wetter. Den 1. Stopp machten wir beim Castle Stalker View. Das ist ein Parkplatz mit Restaurant und Souvenirshop. Von dort aus kann man ca. 90 m zu einem Aussichtspunkt laufen, von welchem man einen Blick auf das Castle erhaschen kann. An dieser Stelle roch es sehr merkwürdig und der Blick ist von der Straße aus fast besser als von hier. Weiter geht es zum Sutherland’s Grove, einem Stellplatztipp aus dem Womoführer. Es ist ein sehr schöner Platz, versteckt im Wald und sehr ruhig. Sicher ein guter Platz zum Übernachten. Da es aber noch früh am Tag war, schauten wir uns um, ob man von hier irgendwie ans Wasser kommt. Aber Fehlanzeige. Also weiter Richtung Oban. Das Sea Life Centre schauen wir uns aufgrund des tristen Wetters nur von außen an. Der nächste Stopp war wieder ein Womo-Tipp. Wir schauten uns das Dunstaffnage Castle und die Kapelle im Wald an. Nun erreichten wir Oban. Wir steuerten zunächst einen Supermarkt an und erkundigten uns dann bei dem Fähranleger nach den Preisen auf die Insel Mull. Dort kauften wir dann direkt Tickets, um heute noch überzusetzen. Es hieß, zwei Stunden in Oban zu verbringen, bevor es auf die Fähre ging. Wir folgten dem hiesigen Hinweisschild zu einem Viewpoint, von dem wir über die Stadt und die Küste blicken konnten. Anschließend suchten wir McCaig’s Tower auf. Das Gebäude ist eine Art Colloseum und irritiert nicht nur durch einen Mundharmonika spielenden Baum. Der Blick von hier oben ist sehr schön und die Aussicht durch die offenen Fenster gibt für mich trotz aller kritischen Beschreibungen in Reiseführern ein beeindruckendes und charmantes  Bild. Der Parkplatz hierzu ist unbeschränkt und kostenfrei, was wir sofort zum Kochen nutzten. Währenddessen kam ein braun gekleideter Mann mit roter Plastiktüte aus dem Colloseum-Ding getorkelt. Wir vermuten, dass er es war, der den Baum zum Singen brachte. Wenig später hielt ein Mann neben uns, der mit einer Leiter bewaffnet, die Stadt mit „Yes“ – Plakaten schmückte. In wenigen Wochen ist hier der Volksentscheid zur Unabhängigkeit Schottlands. Viel haben wir davon noch nicht mitbekommen. Es fällt nur auf, dass wesentlich mehr „Yes“ als „No“-Schilder zu sehen sind. (Später wird uns auffallen, dass es große Unterschiede in den verschiedenen Regionen gab).Dann wurde es Zeit für die Fähre. Nach 45 Minuten angenehmer Fahrt, vorbei an der Küste und kleinen Inseln erreichten wir die Insel Mull. Direkt am Fähranleger ist ein Campingplatz bei dem wir für stolze 19,5 GBP eincheckten. Unser Platz war dafür direkt am Meer mit Blick auf die Bucht. Wunderschön.

 

zur zweiten Woche

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