Schottland 2014 – vierte Woche

Sonntag, 14.09.14 Horgabost (Harris) – Port Gobhlaig (Skye)

Heute war unser letzter Tag auf der Insel. Die Sonne gewann den Kampf gegen die Wolken und so wurde es ein wunderschöner Tag. Nachdem wir langsam in den Tag starteten und die herrliche Luft, die Stille am Platz ausreichend genossen hatten, fuhren wir einen kleinen Abzweig nach Luskentyre. Diese Straße war gesäumt von netten Stellplätzen, die man über Paypal hätte zahlen können. Etwas seltsam, da es hier weder Internetzugang noch Handyempfang gab. Am Ende der Straße erreichten wir einen Parkplatz, bei dem nur auf dem hinteren Teil ein „no overnightparking“ –Schild stand. Durch die Dünen kamen wir nun an den vielleicht schönsten Strand der Insel. Wir spazierten hier eine Weile entlang. Die Berge am Horizont wurden langsam durch die Wolken erkenntlich und der Himmel zeigte sich von seiner schönsten Seite. Das Wasser war eiskalt. Bevor es zur Fähre ging, machten wir noch Picknick an einem Platz kurz vor Tarbert auf einer kleinen Anhöhe mit Blick in die Berge. Es war etwas windig, aber sooo schön. Auf der Fähre trafen wir unsere „Nachbarn“ aus Bielefeld wieder. Das Wetter erlaubte es uns, die gesamte Fährfahrt auf dem Außendeck zu verbringen. Als Übernachtungsplatz suchten wir uns den nördlichsten Platz auf Skye aus. Die Strecke dorthin war doch recht anstrengend. Singletrack mit viel Gegenverkehr. Schnell fuhren wir in einer Kolonne, die komplett zum Stehen kam, als mitten auf der Straße eine Kuh ihr Kalb säugte. Der Gegenverkehr stand ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüber und kam nicht vorbei. Wir schlängelten uns mit mindestens 3 weiteren Autos auf einem Passing place und so standen wir erst mal. Ja, hier haben nun mal die Tiere das Sagen. Der Übernachtungsplatz war ein einfacher Parkplatz mit einem Rasenstück, das wir uns für die Nacht zu Eigen machten. Auch unsere Campingnachbarn und ein weiteres deutsches Pärchen mit zotteligem Kuschelhund (,das ebenfalls mit dem Womo-Reiseführer von „Uwe und Annegret“ fuhr) wählten dieses Plätzchen als Bleibe. Der Abend war so mild, dass wir uns mit Wein noch auf die Picknickbank setzten. Mit Blick auf das Meer, der Mond blitzte ab und an zwischen den Wolken durch und man hörte nur die Gänse,….

 

Montag, 15.09.14 Port Gobhlaig (Skye) – Glenmore Forest

Unser Frühstück verzehrten wir heute in geselliger Runde mit unseren deutschen Womo-Nachbarn. An dieser Stelle : Viele Grüße an die „Uwe und Annegret“ –Leser! Der Morgen war so herrlich, dass keiner wirklich aufbrechen wollte. Die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel und wärmte die Haut. Hoch über unseren Köpfen kreisten Adler und Kühe schauten von den Felsen zu uns hinab. Es half alles nichts, irgendwann mussten wir los. Wir hatten heute einen Fahrtag zum Loch Morlich geplant und wollten zeitig ankommen. Unseren 1. Stopp legten wir bei Kilt Rock View ein. Von hier aus schaut man auf einen Felsen, der angeblich aussehen soll, wie ein Schottenrock, … hm, naja. Besonders reizend war der sanfte Wasserfall, der sich von dem Felsen in die Tiefe stürzte. Nach einem kurzen Stopp in Portree, verließen wir nun für diese Reise endgültig die Insel Skye – schön wars! Als wir ins Glen Shiel eintauchten, tauchten wir gleichzeitig in eine dunkle Wolkendecke ein. Das Thermometer fiel direkt um 5 °C und sollte am Ziel unserer heutigen Tour erst wieder bei 11°C halten. Das Fahren, besonders durch Inverness hatte nicht viel Spaß gemacht. Immer wieder hofften wir, dass die Wolkendecke wieder abzog und wir etwas von der Landschaft sehen konnten, doch vergebens. Bei Nieselregen kamen wir am Campingplatz im Glenmore Forest Park an, bei dem die Rezeption bereits geschlossen hatte. Wir suchten uns dort einen Platz im Waldstück und konnten erst am nächsten Tag einchecken. Leider gab es kein WIFI, worauf wir doch ein bisschen gehofft hatten, waren wir doch die letzten Tage komplett von der Außenwelt abgeschnitten.

 

Dienstag, 16.09.14 Glenmore Forest

Heute begrüßte uns aller schlechten Vorhersagen zum Trotz ein trockener Morgen. Der Duft des Waldes war erfüllt von Fichtennadeln und Holz. Wir atmeten tief durch und checkten dann auf dem Campingplatz für zwei Tage ein und zahlten dafür 37 GBP. Als wir vor zum Loch Morlich liefen, konnten wir die Berge erkennen, die gestern noch in den dichten Wolken gänzlich verborgen lagen. Am Visitor Center holten wir uns eine Karte für die Gegend und wählten eine ca. 5 km lange Wanderung durch einen Pinienwald, den Berg hoch und anschließend über spannende schmale Wurzel- und Steinstufen runter zum Loch Uaine, das eine tiefblaugrüne Farbe hatte und so klar war, dass man den Grund sehen konnte. Wir kamen an einer Rentierfarm vorbei, bei der wir durch den Zaun spähten und zwei der Tiere erblicken konnten. Da wir ausreichend Rentiere in unserem Finnlandurlaub gesehen hatten, sparten wir uns aber den Besuch der Farm und gingen zum Bus zurück. Dort angekommen machten wir eine kleine Mittagspause und bauten anschließend (endlich!!!!) unser Boot auf. Wir genossen es, einmal um den See zu paddeln und die Landschaft von einer anderen Perspektive aus wahrzunehmen. Das Wasser war ruhig und unglaublich klar. Um uns rum waren nur der Wald und die Berge. Ganz leise war die Straße zu hören. Etwas kaputt trugen wir anschließend das Boot zurück und ließen den Abend ruhig ausklingen.

 

Mittwoch, 17.09.14 Glenmore Forest – Loch Garten

Heute Morgen klingelte der Wecker um 6:45 Uhr. Wieso eigentlich? Auf der Wanderkarte gibt es einen Rundwanderweg um den See mit dem Hinweis, dass dieser früh morgens besonders schön sein soll, da man dann vielleicht Otter sehen kann. Gestern kamen wir dann auf die Idee, dass man die Otter sicher noch besser vom Wasser aus sehen kann und wir bei Sonnenaufgang mit dem Boot über den See paddeln wollen. Wir hatten eigentlich soweit alles geplant, sind früh ins Bett gegangen und hatten das Packen des Busses durchdacht. Was uns dann aber etwas überraschte, waren die eisigen 4°C Außentemperatur, die uns zum Rückzug brachten. (Wie kalt wird wohl das Wasser sein?) Also zogen wir doch die Wanderschuhe an. Es hat sich gelohnt! Der Nebel waberte über das Loch und die Gipfel der Berge wurden leicht von der Sonne angestrahlt. Der Duft des Morgens weckte unsere müden Lebensgeister und so liefen wir einige km den Waldweg entlang. Die Tautropfen hingen in den Spinnenweben zwischen den Farnen und der Wald wurde von dem warmen Sonnenlicht durchflutet. Ganz langsam lichtete sich der Nebel und die Sonne bahnte sich mehr und mehr ihren Weg. Otter waren aber leider nicht zu entdecken. Nach der Wanderung packten wir alles zum Weiterfahren zusammen und verließen um Punkt 12 Uhr (letzter Checkout-Zeitpunkt) den Campingplatz. Wir machten einen kleinen Stopp beim Rothiemurchus Estate Besucherzentrum und schlenderten dort durch den Shop und den Gourmetladen. Danach ging es nach Aviemore. Das ist ein Touristenörtchen mit vielen kleinen, schmucken Lädchen und einem schönen Bahnhof. Dort sahen wir gerade noch die Dampflock mit weißer Rauchwolke losrollen. Wir ließen uns Burger in einer Rockkneipe schmecken und gingen zum Abschluss noch in den Supermarkt. Nach diesem Ausflug in die Zivilisation steuerten wir unseren nächsten Übernachtungsplatz an: Loch Garten sollte es sein. An einem Waldparkplatz mit Parkbuchten machten wir Halt und freuten uns über den kurzen Weg zum Loch. Leider war das Wasser von Blaualgen befallen, sodass wir das Boot verzurrt im Auto ließen. Stattdessen packten wir die Picknickdecke zusammen und suchten uns ein schönes Plätzchen am Rande des Lochs mit Blick auf die von der Sonne beleuchteten Berge und dem Wald im Rücken. Dort blieben wir bis die Sonne hinter den Bäumen verschwand.

 

Donnerstag, 18.09.14 Loch Garten – Jedburgh – Sherwood Forest

Auch heute standen wir wieder sehr früh auf, um eine Wanderung durch den Wald zu unternehmen. Leider spielte das Wetter nicht so toll mit, wie am Vortag. Es lag alles im Nebel und es wirkte sehr mystisch. Der Weg schlängelte sich am Loch Garten entlang und anschließend noch an einem weiteren kleineren See. Die einzigen Tiere, die sich uns zeigten waren ein davon fliegender Specht, ein Eichhörnchen und natürlich Enten. Von den hier ansässigen Adlern war nichts zu sehen und auch die Eulen, die in der Nacht laut riefen, blieben in ihren Verstecken. Gegen 10:00 traten wir dann die erste Etappe des Heimwegs an. Es ging Richtung Süden, an Edinburgh vorbei, bis nach Earlston. Dort bogen wir ab zur Wallace Statue. Diese erreicht man von dem dortigen Parkplatz mit einem kurzen Fußmarsch in ein paar Minuten. Leider ist die Statue nicht sonderlich spektakulär und wir liefen zügig wieder zurück zum Bus. Den Parkplatz nutzten wir aber noch um die Entlüftung des Abwassertanks wieder gangbar zu machen, da das Abwasser nicht mehr ablaufen wollte. Zum Glück sind wir von Zuhause aus mit Infos versorgt worden, wie das am besten funktioniert. Danke dafür! Nun ging es zu unserem geplanten heutigen Nachtlager, dem Parkplatz der Touristeninfo in Jedburgh. Die Hauptattraktion des Ortes ist die verfallene Abbey. Diese besichtigten wir gerade noch kurz vor Schließung. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl durch die Gemäuer zu spazieren und sich vorzustellen, wie die ganze Anlage einmal ausgesehen haben mag. Danach gönnten wir uns noch die letzten Fish&Chips unserer Reise im örtlichen Imbiss. Dort stand ein Deutscher in der Küche, der, wie er erzählte, vor 50 Jahren aus Berlin hier her kam. Unser Essen verspeisten wir an der Abbey und hatten dabei einen guten Blick auf das Wahllokal. Heute war der große Tag, an dem über die Unabhängigkeit des Landes entschieden wurde.
Anschließend begaben wir uns in den Bus, um noch etwas zu lesen und uns von der Fahrt zu erholen. Nach und nach füllte sich der Parkplatz mit Leuten, die sich hier wohl zum Party machen trafen. Dazu gehörte, die Grenzen der Fahrzeuge auszutesten und sich mit Softair-Pistolen zu beschießen. Der Parkplatz war relativ groß, dennoch schien der beste Platz dafür direkt neben uns zu sein. Ein bisschen unglücklich entschieden wir uns, nach einem Ausweichquartier zu suchen. Der Womo-Führer England kennt auf der Route Richtung Süden eigentlich nur zwei Stellplätze für die wir keine riesen Umwege fahren müssten. Also ging es los Richtung Sherwood Forest. Die Strecke war zwar „nur“ ca. 300km lang, allerdings war mittlerweile extrem dichter Nebel aufgezogen und der längste Teil der Route ging über schmale Sträßchen, die teilweise extrem steil waren. Um ca. 1:00 erreichten wir endlich die Gegend um den Sherwood Forest. Der erste Stellplatz sollte im Clumber Park liegen. An der Einfahrt in den Park stand allerdings ein großes Schild, welches verkündete, dass das Befahren nur tagsüber erlaubt sei. Wir hielten uns daran, da ein paar km weiter der Parkplatz des Sherwood Forest Visitor Centers ebenfalls ein gutes Nachtlager sein sollte. Als wir dort ankamen, war auch hier eine Gruppe Jugendlicher, die mit ihren tiefergelegten Autos über den Parkplatz fuhren. Außerdem hing an einem Info-Schild ein großer „no overnight parking“ Hinweis. Da es mittlerweile kurz vor zwei Uhr war und wir beide keine große Lust mehr hatten noch lange weiter zu suchen, fuhren wir ein paar km zurück, da wir auf dem Weg einen Parkplatz am Wegrand gesehen hatten, der einigermaßen von der Straße abgeschirmt war. Todmüde legten wir uns hier in unser Bett.

 

Freitag, 19.09.14 Sherwood Forest – Calais

Der Parkplatz, auf dem wir in der Nacht standen, stellte sich morgens bei Licht betrachtet als ziemlich hässlicher Platz heraus, der auf drei Seiten von großen Straßen umgeben war. So machten wir uns sehr zügig Richtung Süden auf. Bereits gegen 12:00 kamen wir in Dover an. Während der ganzen Fahrt hatten wir herrliches Wetter bei Temperaturen von deutlich über 20°C. In Dover selbst tauchten wir dann in fiesen Nebel ein. Wir erklommen auf steilen Sträßchen den Besucherparkplatz der Kreidefelsen. Da der Parkplatz kaum Schatten bot, war das Klima fast unerträglich. Die hohe Luftfeuchtigkeit verlieh einem das Gefühl, sich in einer übergroßen Sauna zu befinden. Mittlerweile waren es knapp 26°C, dicker Nebel und trotzdem brannte die Sonne (uns war vorher nicht bewusst, dass Nebel und Sonne gleichzeitig funktioniert). Wir entschieden uns eine kleine Wanderung an den Klippen entlang zu machen. Die Wege dort sind sehr schön, die wirklich gute Sicht auf die Felsen blieb uns allerdings verwehrt. Teilweise gab es auch nebelfreie Stellen, an denen man die spannende Gegend erahnen konnte. Es war ein ganz eigenartiges Gefühl auf eine Nebelwand zu zulaufen, die den Rest der Welt hinter sich verbarg. Erst auf dem Rückweg zum Auto löste sich der Nebel langsam auf. Von hier oben hat man eine geniale Aussicht auf den Fährhafen. Diesen hatten wir in den Stunden vorher nur gehört, allerdings nicht gesehen, obwohl er nur wenige 100m entfernt lag. Nach dem Spaziergang ging es dann zum Fährhafen. Eigentlich hatten wir für 19:15 gebucht. Als wir auf den Hafen fuhren war es erst 16:30. Wir waren sehr erstaunt, dass man uns dann trotzdem auf die Fähre um 16:45 ließ. Dadurch hatten wir kaum Wartezeit und kamen noch einigermaßen früh in Calais an. Dort ergatterten wir wieder einmal den letzten freien Stellplatz und genossen jeder eine Dose Bier direkt an der Strandpromenade. Gegen 23:00 bei immer noch knapp 20°C Außentemperatur und 85% Luftfeuchtigkeit (fühlt sich an wie im Treibhaus) fielen wir in unser Bett. Die Nacht war dann allerdings äußerst unruhig, da es auf dem Platz sehr laut war. Sehr spät fuhren mehrmals noch einige Spaßvögel hupend über den Stellplatz und haben uns damit wachgehalten.

 

Samstag, 20.09.14 Calais – Heimat
Unser letztes Frühstück im Bus für diesen Urlaub verschoben wir auf unterwegs, da wir zügig aufbrechen wollten. Wir holten dieses dann in Belgien an einer Raststätte nach. Die Heimfahrt verlief erstaunlich stressfrei. Und wir kamen am Nachmittag zuhause an. Schade, dass der Urlaub wieder vorbei war.

Fazit:

Ca. 5000km Strecke
Verbrauch < 10L/100km
Fährkosten ca. 450€ (für alles)
Diesel kosten ca. 850€
Verhältnis Campingplatz / kostenlose Plätze: exakt 50%/50%

 

Schottland hat uns sehr gut gefallen. Die Landschaften sind abwechslungsreich und wirklich beeindruckend. Die Menschen waren äußerst nett und freundlich. Insgesamt haben wir nur einen sehr kleinen Teil der Strecke geschafft, die wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Der ganze Norden und Osten fehlt uns noch. Wir werden diese Gegenden mit Sicherheit noch bereisen.
Ein wenig problematisch waren teilweise die Straßenverhältnisse. Es war zwar alles asphaltiert, allerdings teils mit sehr bösartigen Schlaglöchern. Außerdem hat uns die ein oder andere Steigung sehr zu schaffen gemacht. Wir haben uns mehr als einmal ein Allradfahrzeug oder zumindest ein Untersetzungsgetriebe gewünscht, da der sehr lange erste Gang im CE im Zusammenspiel mit den großen Reifen das Anfahren an sehr steilen Bergen zur großen Herausforderung macht. Das Motorrad war wieder eine tolle Möglichkeit die Umgebung zu erkunden. Gerade auf Skye haben wir einige schöne Touren gemacht. Das Boot konnten wir leider nur einmal auspacken, was oft daran lag, dass man bei den angefahrenen Lochs nicht direkt ans Wasser kam oder der Parkplatz zum See mit Höhenbalken begrenzt war.
Dieser Urlaub bleibt uns als sehr gelungen und äußerst spektakulär in Erinnerung.

1 Gedanke zu „Schottland 2014 – vierte Woche

  1. Hallo Ihr Beiden!

    Vielen Dank für Eure tollen Reiseberichte, insbesondere der Schottland-Bericht hat bei uns Fernweh ausgelöst.

    Mit tollen Fotos untermalt, hat es sehr viel Freude gemacht, Eure Erlebnisse nachzulesen.

    Im nächsten Jahr werden wir also Euren Spuren folgen, natürlich im California „BusQueline“.

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