Irland 2015 – vierte Woche

05.09. Belfast – Carrick-a-rede

Heute verließen wir Belfast. Wir hielten nochmal in der Newtownardsroad an zwei crassen Murals und starteten dann unsere Tour an der Küste entlang. Zunächst ging es Richtung Larne und dann zum Glenariff Forestpark. Zu unserer Rechten war das Meer, links erstreckten sich bewaldete Hügel (oder sogar Berge?). Die Sonne gab der ganzen Szenerie einen südländischen Flair, da hier natürlich auch die Palmen nicht fehlten. Ab und an waren hier sogar Parkplätze ohne Balken zu entdecken. Teilweise waren auch Inseln am Horizont zu sehen. Sind das schon die schottischen Inseln? Zum Forestpark verließen wir die Küstenstraße und bogen in eine gewaltige Berglandschaft ein mit viel Wald und immer wieder Blick aufs Meer. Zurück an der Küste wurde es spannend. Im Womo-Führer steht,  das die Strecke für schlappe und große Wohnmobile nichts wäre. Dazu zählen wir uns nicht, also los gings. Tatsächlich gestaltete sich die Strecke sehr schmal, steil und kurvig bis heikel. Als dann Gegenverkehr dazu kam, hielten wir doch mal die Luft an. Ziel war ein recht unscheinbarer Besucherparkplatz am Fair Head. Zuvor steuerten wir zwar den Wanderparkplatz aus dem Womoführer an, doch der sagte uns nicht so zu. So zahlten wir zwei Pfund in einen Briefkasten (wie wird hier wohl kontrolliert?)und machten uns auf den Rundweg. Der Start ging durch eine Kuhherde, von der wir eindeutig als böser Eindringling identifiziert wurden. Ein gewaltiges „Gemuhe“ ertönte um uns rum und böse Blicke wurden uns zu geworfen. Anschließend ging es im Slalom, den großen Fladen ausweichend, diverse Felder entlang zu den Klippen. Dort angekommen hat man einem schönen Blick aufs Meer und die Insel Rathlin. An manchen Stellen kann man die Klippen, die senkrecht ins Meer abfallen, sehen. Der Weg zurück gestaltete sich etwas hackelig. Wirklich ausgeschildert war der Weg nicht und auch die Trampelpfade verloren sich irgendwann. Wir liefen kreuz und quer über die nächste Kuhweide, durch weiche, moorige Wiesen, über Disteln und Kuhmist. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir wieder den Parkplatz. Nun war es an der Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen. Den fanden wir dann kurz hinter Ballycastle auf dem Wanderparkplatz zur Carrick-a-rede Rope Bridge. Hier war bereits alles geschlossen. Aber für morgen steht unser 1. Ausflug fest.


06.09. Carrick-a-rede – Bushmills

Von unserem Übernachtungsplatz hatten wir einen schönen Blick aufs Meer, Sheep Island und Rathin Island. Die Sonne lachte vom Himmel und so gingen wir zum Kassenhäuschen der Rope Bridge. Hier zahlten wir 5,90 pro Person und liefen dann ca. 15 Minuten zur beeindruckenden Hängebrücke. Da immer nur ein paar Personen über die Brücke gehen konnten, mussten wir warten, bis die Dame mit Höhenangst sicher auf der andere Seite angekommen war. Die Wartezeit wurde uns von dem Mitarbeiter des Parks verkürzt, der uns erzählte, wie weit wir schwimmen müssten, um Schottland zu erreichen. Als wir an der Reihe waren, war der Blick in den Abgrund schon eindrucksvoll. Unter uns war nichts außer dem tosenden Meer (naja, so sehr getost hat es heute nicht,…). Auf der kleinen Insel angekommen, bestaunten wir den Ausblick in alle Richtungen. Weit am Horizont konnte man die schottische Insel Mull of Kentyre erkennen und auch die Felsen, auf denen wir gestern spazieren waren, konnte man sehen. Auf dem Rückweg erhaschten wir nochmal einen schönen Blick auf die Brücke. Als nächstes stand der Giants Causeway auf dem Plan. Am Besucherparkplatz sind wir aber direkt wieder des Platzes verwiesen worden. Es tue ihnen zwar leid, aber sie haben für die Länge unseres Autos keinen Platz. In Bushmills gäbe es aber einen Park & Ride Parkplatz mit einem Shuttleservice. Von dort aus sei das Ticket 2 Pfund günstiger. Wir wussten nicht genau, was wir davon halten sollten und checkten erstmal am Campingplatz in Bushmills ein. Hier lag auch unser 3. Ausflugsziel für heute, die Bushmills Distillery. Vom Campingplatz liefen wir ca. 10 Minuten zum Gelände der Destillerie. Hier zahlten wir 7,50 für die Führung durch den Betrieb. Es roch an den verschiedenen Produktionsstätten immer anders und intensiv. Hier wird tatsächlich noch gebrannt und abgefüllt. Leider waren die Abfüllanlagen nicht in Betrieb,…Sonntag halt,…Am Ende konnten wir uns an der Theke der Bar einen Whiskey nach Wahl kostenfrei abholen. Wir entschieden uns für den 12 jährigen Bushmills, der uns auch von dem Guide empfohlen wurde, da es diesen nur hier geben würde. Damit gestärkt schlugen wir nun doch den Weg zum Park & Ride Parkplatz des Giants Causeway ein und fuhren von dort mit dem Shuttlebus zum Visitor Center. Immer wieder sahen wir alte Kampfflugzeuge am Himmel. Im Shuttlebus erklärte uns die Touristenführerin, dass über das Wochenende ein Flugevent in Portrush statt finden würde. Am Visitor Center zahlten wir dann 7 Pfund pro Person und erhielten dafür eine deutsche Karte und einen Audioguide. Der Weg zu den Basaltsäulen war ca. 15 Minuten lang und wir erhielten einen Einblick in die Mythen und die Entstehung der Landschaft. Der tatsächliche Giants Causeway war ziemlich voll. Das Wetter war sonnig, der Wind sehr mild und das spornte viele an, die Säulen entlang zu klettern. Wir fanden ein freies Plätzchen und betrachteten das bunte Treiben ein wenig. Von hier aus hatte man einen Blick auf einen hervorstehenden Felsen mit roten Steinschichten. Wir folgten dem Weg weiter dorthin, bevor es wieder zurück ging. Nun aber oberhalb der Klippen. Kommt man zu Fuß zum Gelände des Giant Causeways, kann man die Wanderwege kostenfrei erreichen. Im Nachhinein ist der Audioguide und die Karte den doch recht hohen Eintrittspreis nicht wert. Auf dem Weg zurück nach Bushmills erzählte uns der sehr nette Busfahrer, dass hier wohl öfter mal Helikopter Menschen von den Säulen retten müssten. Am Park & Ride Parkplatz angekommen, bot er uns an, uns noch ein Stück Richtung Campingplatz zu fahren. Das nahmen wir gerne an und sparten so ca. 1 Kilometer Fußweg.


7.09 Bushmills

Bereits zum Frühstück zeigte sich das Wetter wieder von seiner irischen Seite. Es wechselte alle 10 Minuten zwischen strahlendem Sonnenschein und fiesem Sprühregen. Wir ließen uns etwas Zeit und hofften auf Besserung. Gegen halb zwölf entschieden wir uns, egal wie das Wetter nun ist, mit dem Motorrad los zu fahren. Als ersten Stopp hatten wir das Dunluce Castle ausgesucht. Dabei handelt es sich um eine ziemlich verfallene Ruine, die sich spektakulär auf einem Felsen befindet. Von Bushmills aus, waren wir innerhalb weniger Minuten dort. Da es gerade mal wieder ordentlich regnete und uns 5 Pfund pro Person für die Besichtigung bei dem Wetter zu teuer waren, stiegen wir nur kurz die 120 Stufen zum Strand hinab, machten ein paar Fotos von der Ruine und fuhren dann weiter zum Whiterocks Beach. Dieser Strand ist wirklich eindrucksvoll. Der weiße Sandstrand endet direkt an hohen ebenfalls sandfarbenen Klippen, die bizarre Formen aufweisen. Nach einer kurzen Brotzeit am Strand machten wir noch einen kleinen Spaziergang entlang der Felsformationen. Als es auch hier wieder anfing zu regnen fuhren wir weiter nach Portrush. Am Ortseingang wird man von gigantisch großen Mobilehome-Siedlungen begrüßt. Es ist erstaunlich, dass dies scheinbar eine beliebte Form der Urlaubsunterkunft in Irland ist. Wir nutzten den Ort zum tanken und steuerten den Downhill Beach an. Dieser Strand liegt ebenfalls am Fuße hoher, diesmal dunkler, Klippen. Als Besonderheit ist dieser Strand allerdings komplett mit dem Auto befahrbar. Leider ist Motorradfahren allerdings verboten. Wir parkten vor dem Strandeingang und schlenderten ein paar hundert Meter zu Fuß am Wasser entlang. Bei Sonnenwetter bestimmt ein schöner Strand um in der Sonne zu liegen. Es ging weiter zum Benone Strand. Hier darf man ebenfalls mit dem Auto auf den Strand. Diesmal auch mit dem Motorrad! Was für ein Spaß! Nun wollten wir die Strände auch noch mal von oben sehen. Deshalb nahmen wir die kleine Straße, die sich die Klippen hochschlängelt. Oben angekommen ging es dann auf wirklich fieser Schotterpiste zum Binevanah Lake. Vom Parkplatz dieses Angelsees kann man mit ein paar Schritten bis zum Rand der Klippen laufen. Von dort hat man ein wahnsinniges Panorama über die Strände und die kleinen Ortschaften. Leider spielte das Wetter auch hier nicht so wirklich mit und es war feucht und leicht diesig. Für heute hatten wir genug gesehen und schlugen nun den Rückweg ein. Unterwegs hielten wir noch an einem weiteren Aussichtspunkt, fuhren aber ansonsten direkt durch nach Bushmills. Alles in allem ein sehr schöner Trip mit dem Motorrad (ca. 90km lang). Nach kurzer Pause brachen wir zu Fuß vom Campingplatz auf, um in das Zentrum von Bushmills zu laufen, um dort im Distillers Arms zu essen. Auf der Ausfahrt des Campingplatzes hielt ein Auto neben uns und wir wurden von einem sehr netten irischen Ehepaar gefragt, ob sie uns mit in den Ort nehmen können. Dieses Angebot nahmen wir sehr dankend an. Ein wirklich nettes Volk. Wir aßen sehr gut in dem schicken Restaurant und machten anschließend noch den ca. 1km langen Verdauungsspaziergang zurück zum Platz.


8.09. Bushmills – Dublin

Ab heute ging es wieder näher Richtung Heimat. Nach dem wir in der Bushmills Destillerie noch Souvenirs geshoppt haben und in Portstewart unsere letzen Pfunde ausgegeben hatten, fuhren wir bei Sonnenschein und 19 Grad nach Dublin. Gegen 17 Uhr checkten wir am Campingplatz Camac Valley Dublin ein und konnten vor dem Bus in der Sonne unseren Ausflug nach Dublin planen.

9.09. Dublin

Heute widmeten wir uns der Hauptstadt. Wir fuhren mit dem Linienbus in die City, der standesgemäß zu spät kam. Nach einer dreiviertel Stunde rasanter Fahrt im Doppeldeckerbus stiegen wir im Zentrum aus und schlugen zunächst den Weg zum Trinity College ein. Dort kann man in einer Ausstellung das Book of Kells für einen stolzen Eintrittspreis von 10 Euro betrachten. (Der Audioguide kostet weitere 5 Euro, man darf ihn aber am Ende behalten,..) Wir wurden erst auf die Besonderheiten des Buches hingewiesen und konnten uns vergrößerte Kopien anschauen, bevor wir in den Raum gelangten, in dem zwei der Bücher aufgeschlagen waren. In dem einen Buch konnten wir Schriften bewundern, in dem anderen Zeichnungen. Die Farben sind noch ziemlich intensiv, wenn man bedenkt, das das Ganze über 1000 Jahre alt ist. Für mich jedoch beeindruckender war der zweite Stock, welcher die alte Bibliothek, den long Room beherbergte. Hier stehen uralte Bücher in hohen Regalen auf zwei Etagen. Allein der Geruch vermittelte einem das Gefühl in einer Schatzkammer der Literatur zu stehen. Wir konnten Mitarbeiter sehen, die damit beschäftigt waren, einzelne Bücher zu entstauben. Diese Eindrücke mussten wir erstmal sacken lassen und genehmigten uns einen Kaffee im Art Cafe draußen in der Sonne. Anschließend schlenderten wir noch ein wenig über das beeindruckende Gelände der Universität und bestaunten die Gebäude, bevor wir uns auf den Weg zum Guiness Storehouse machten.  Zwischendurch machten wir eine kleine Pause im Garten des Dublin Castles. Nach ca. 3 Kilometern erreichten wir dann die große Brauerei. Hier zahlten wir 20 Euro pro Person incl. Audioguide und begaben uns in die Welt des Bierbrauens. Die aufwendig gestaltete Ausstellung erklärte uns zunächst ausführlich die Inhaltsstoffe des irischen Bieres und verdeutlichte uns an Ausstellungsmaschinen und Monitoren die Herstellung. Nachdem uns der Erfinder Arthur Guiness vorgestellt wurde, ging es zum Tasting. Bevor wir das Schnapsglas leerten, durften wir an verschiedenen Säulen die Zutaten erschnuppern und bekamen eine Einführung in das „richtige Trinken“ von Guiness. Auch wenn ich überzeugt bin, alles richtig gemacht zu haben: Es schmeckt einfach nicht! Wobei ich tatsächlich die Süße des Malzes auf der Zungenspitze erkennen konnte :-). Nach einer Ausstellung über die Werbung gelangte man in das nächste Stockwerk mit drei Kneipen, in dem man sein kostenfreies Guiness genießen konnte. Wir aßen dazu ein Guiness Stew,…lecker. Nun gelangten wir in das oberste Geschoss des Gebäudes und konnten einen Blick über Dublin werfen. Nach einem Rundgang durch den Shop ging es wieder zurück Richtung Trinity College, vorbei an weiteren Sehenswürdigkeiten wie das Dublinia, Kirchen und die City Hall (natürlich auch an dem ein oder anderen Pub) und dann weiter in die Fußgängerzone Grafton Street. Es war mittlerweile ca. 18 Uhr und zu unsere Überraschung schlossen bereits die ersten Geschäfte. Auch im St. Stephens Green Shopping Center gingen die Läden runter. So schlenderten wir noch zum St. Stephens Green Park und traten dann den  Heimweg an. Auch hier ist das Busliniennetz nicht wirklich trivial und so irrten wir erst etwas herum bis wir gerade noch rechtzeitig unseren Bus zum Campingplatz erwischten.


10.09. Dublin – Rosslare

Nachdem wir für diesen Urlaub das letzte mal den Bus reisefertig gepackt hatten, ging es aus der irischen Hauptstadt heraus in Richtung Süden. Wir steuerten einen Strandparkplatz ca. 30km nördlich von Rosslare an. Erst beim dritten Anlauf kamen wir auch dort an, wo wir hin wollten, da sich die Zufahrt zu dem Parkplatz hinter einer Reihe von Einbahnstraßen versteckt. Dort kochten wir uns etwas zu Essen und machten noch einen kleinen Spaziergang am Sandstrand. Gegen 16:30 brachen wir zum Fährterminal auf. Unterwegs kauften wir bei einem Supermarkt noch Proviant für die Überfahrt ein. So waren wir gegen 17:30 am Terminal von Rosslare Harbour. Dort ging es dann nur recht langsam voran, bis wir letztendlich gegen 20:00 auf das recht kleine Schiff fahren konnten. Als besonderes Schmankerl handelte es sich um eine Fähre, in der man rückwärts einparken muss. Das gelang nicht jedem auf Anhieb, deshalb war auf dem Autodeck ordentlich was los. Wir holten uns an der Rezeption unseren Kabinenschlüssel. Nach einem Feierabendbier in der Kabine machten wir noch einen kleinen Rundgang über das Schiff. Viel zu sehen gab es nicht. Selbst der Shop und die Restaurants waren winzig. Anschließend schaukelte uns der Seegang in den Schlaf.


11.09. Cherbourg – Dorheim

Nach einer etwas anstrengenden Nacht (es war sehr laut in der Kabine) und einem Mittagessen im Bordrestaurant mussten wir noch einige Zeit außerhalb der Kabine verbringen, da sich die Einfahrt in den Hafen ordentlich verzögerte. Am Nachmittag starteten wir dann unsere Fahrt nach Hause. Mit wenig Verkehr kamen wir am späten Abend in Zuhause an.

< zur dritten Woche

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