Baltikum 2012 – erste Woche

21.7.2012 Friedberg (8:30) – Kiel (18:00)
Mit einer halben Stunde Verspätung sind wir bei einem km-Stand von 158165 bei sehr durchwachsenem Wetter von zu Hause Richtung Urlaub gestartet. Mit Regen und dicken Verkehr ging es nach Norden. Als wir in einem 14km langen Stau vor dem Elbtunnel standen, waren wir froh so viel Zeitpuffer bis zur Abfahrt der Fähre eingeplant zu haben. So konnten wir gelassen um 17:30 in Kiel noch etwas zu Abend essen.
Am Hafen angekommen waren wir zunächst etwas verwirrt von der Struktur des Geländes. Wir wussten nicht so recht, wo wir uns hinstellen sollen und wann es denn endlich losgeht. Nach dem Einchecken waren wir dann schließlich die zweiten, die die Schranke zum Fährgelände passieren durften. Daraufhin mussten wir aber nochmal ca. zwei Stunden warten bis wir endlich auf das Schiff fahren konnten. Schon auf dem Gelände und beim Befahren der Fähre merkte man deutlich, dass es sich eher um eine Linie für LKW-Fahrer und Frachttransport handelt. Der logistische Aufwand, der betrieben wurde, war beeindruckend. Das Einparken auf der Fähre hingegen eher anspruchsvoll (rückwärts durch eine winzige Lücke und anschließend noch durchs halbe Schiff) und extrem eng.
Auf der Fähre holten wir uns an der Rezeption unsere Kabinenschlüssel ab und brachten unsere Sachen zunächst in die Kabine. Diese ist recht schick eingerichtet, aber der hygienische Standard eher gering (Bartstoppeln und Popel im Waschbecken,…). Danach ging es nochmal auf das Außendeck bis die Fähre mit etwas Verspätung ablegte. Hundemüde fielen wir anschließend gegen 24:00 in unsere Betten.

 

22.7.2012 Kiel – Nida (2:00)
Der Tag auf See verlief äußerst unspektakulär. Mit Schlafen, Lesen, Warten und regelmäßigen Rundgängen über das Schiff haben wir die ca. 21h Fahrt hinter uns gebracht. Nach dem Anlegen mussten wir noch relativ lange an Bord warten, bis wir endlich zu unserem Bus durften. Um ca. 23:00 konnten wir dann endlich den Hafen mit dem Auto verlassen. Im Radio empfing uns die Kelly Family (und das im tiefsten Osten, danach kam dann noch Modern Talking). Über extrem schlechte Straßen folgten wir der Navi in ein äußerst dubioses Viertel von Klaipeda, in dem angeblich der Fähranleger zu finden sei. Nachdem wir diesen nicht fanden, haben wir es nochmal mit der Eingabe der Koordinaten anstatt der Adresse versucht und kamen gegen kurz vor zwölf an der Fähre zur Kurischen Nehrung an. Dort zahlten wir 112Litas für die Überfahrt. Es folgte die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Zuerst fuhren wir zum Parkplatz des Delphinariums welcher vom Womo-Führer empfohlen wurde. Da der Parkplatz absolut leer und verlassen war, zudem von allen Seiten einsehbar, entschieden wir uns den zweiten Vorschlag aus dem Womo-Führer anzufahren. Hier stand ein Parkverbotsschild ab 23:00 bis 8:00. Spontan entschlossen wir uns noch heute bis nach Nida zu fahren (ca. 46km). Die Fahrt war mit Schlaglöchern und Tieren am Straßenrand recht abenteuerlich. Auch der Mautautomat hatte seine Tücken und wir durften noch um 1:00 bei einer netten Dame am Schalter mitten in der Wildnis bezahlen. Um ca. 2:00 erreichten wir den Campingplatz in Nida, auf dessen Parkplatz vor der Schranke wir endlich in unser Bett steigen konnten.

 

23.7.2012 Nida
Um 7:45 weckte uns unser Wecker, damit wir pünktlich um 8:00 auf dem Campingplatz einchecken konnten. Erstaunlicherweise konnte die Dame am Empfang kein Englisch, dafür aber einigermaßen verständliches Deutsch. Wir suchten uns einen schönen Platz aus. Nach einem guten Frühstück und einem für uns zu diesem Zeitpunkt noch außergewöhnlichen Duscherlebnis (Fischchenvorhänge, keine Ablagemöglichkeiten, etwas heruntergekommen…, erst bei den zukünftigen Plätzen merkten wir, das Nida doch ganz gut ist) machten wir uns auf den Weg zu der Parnidžio-Düne (ca. 15 min). Dort hat man eine außergewöhnliche Sicht auf das Haff, die Dünen, Nida und nach Kaliningrad. Anschließend folgten wir dem Weg der Küste entlang nach Nida. Dort sahen wir uns die Promenade und den Leuchtturm an. Danach ging es durch den Wald zurück zum Campingplatz, wo wir uns leckeres Essen zubereiteten und Brot backten. Am Abend wanderten wir noch zur Ostseeküste, wo wir die wärmende Sonne genossen. Anschließend beendeten wir den Tag mit einem Glas Wein vor dem Bus.

 

24.7.2012 Nida
Der Tag begann mit herrlichem Sonnenschein und blauen Himmel. Perfekt für einen Spaziergang am Meer. Am Strand war ein reges Treiben. Mit blanken Füßen liefen wir im Meer bis nach Nida. Dort kauften wir ein und holten uns Geld am Automaten. Entlang des Haffs ging es dann über die Dünen zurück zum Campingplatz. Nach dem Abendessen machten wir uns nochmal auf zu dem Aussichtspunkt auf der großen Düne, um den Sonnenuntergang zu beobachten.

 

25.7.2012 Nida (11:00) – Nähe Plateliai (17:30)
Heute verließen wir die Kurische Nehrung. Vorher besuchten wir jedoch noch das Fischerdorf Juodkrantė, wo wir Räucherfisch kauften. Leider haben wir gar keine Ahnung, welche Sorte Fisch es war, da die Verkäuferin kein Deutsch bzw. Englisch sprach. Nach einem Stopp am Strand von Smiltyne, an welchem wir (eigentlich nur Steffi) uns im Meer (zumindest bis zu den Oberschenkeln) etwas abkühlen konnten, setzten wir mit der Fähre über zum Festland. Von dort aus ging es über Palanga Richtung Norden bis nach Šventoji, anschließend Richtung Inland. Dort machten wir Stopp am Orvyus‘ Garden, welcher uns eine kuriose Sammlung von Grabsteinen, Kreuzen, Figuren und Holzskulpturen bot. Unseren Fisch verspeisten wir an einem Badeplatz im Žemaitijos Nationalpark am Plateliai See. Dort gab es einige Picknickbänke. Leider brannte dort die Sonne so sehr, dass wir uns bald weiter auf den Weg machten. Auf der Fahrt sahen wir viele Störche und angeleinte Kühe. Über teilweise abenteuerliche „Straßen“ und Schotterpisten ging es um den See bis wir einen Stellplatz auf einer großzügigen Wiese eines Bauernhofes fanden. Mit Händen und Füßen verständigten wir uns auf einen Preis für eine Übernachtung mit der Besitzerin (24 Litas). Nachdem wir uns etwas sortiert hatten, gingen wir die Gegend erkunden. In der Nähe gibt es einen weiteren Zeltplatz direkt an einem Badestrand, an dem sehr viel los war. Wir fanden jedoch ein stilles Plätzchen im Wald, welches eine schöne Sicht auf den See und später auf den Sonnenuntergang bot. Den Tag ließen wir ruhig auf dem Platz ausklingen. Leider wurde die von uns erwartete Ruhe erst von einem sehr fleißigen Rasenmäher, später von bellenden Hunden und noch später von feiernden Jugendlichen eingeschränkt.

 

26.7.2012 Nähe Plateliai (9:00) – Dauguvieciai (18:00)
Nachdem wir gut gefrühstückt hatten, verließen wir den schönen Stellplatz im Wald. Etwas irritiert waren wir über die Jugendlichen, die anscheinend mit einem Hitler-Gruß an unserem Bus vorbei fuhren. Unser nächstes Ziel war der Tierpark Žvėrinčius, den wir über Schotterpisten erreichten. Der Park war groß angelegt und beherbergte heimische Tiere, wie etwa den Luchs, Braunbär und Wolf. Aufgrund des weitläufigen Geländes waren die Tiere schlecht bis gar nicht zu beobachten. Lediglich den Ziegen, Truthähnen und Hühnern, welche frei über die Wiesen spazierten, konnten wir von der Nähe zuschauen. Sehr putzig waren die Frettchen, die offensichtlich vor nicht allzulanger Zeit das Licht der Welt erblickten. Anschließend ging es weiter zum Berg der Kreuze. Dieser war sehr eindrucksvoll und vermittelte eine ganz eigene Atmosphäre durch das Klirren der Kreuze und Rosenkränze im Wind. Als Nachtquartier hatten wir uns einen Naturcampingplatz aus dem Womo-Führer an der litauisch-lettischen Grenze ausgesucht. Um diesen zu erreichen, holperten wir auf Schotterpisten viele Kilometer dem Grenzfluss Memele entlang Richtung Osten. Als wir unser Ziel erreichten, standen wir vor den Ruinen des einstigen Haupthauses des Campingplatzes. Dieser ist scheinbar schon länger verlassen. Dort herrschte eine ganz eigenartige Stimmung, da die Hüttchen verlassen, die Holzbänke verwittert, der Rasen jedoch gemäht und die Blumenkübel bunt bepflanzt waren. Man konnte erahnen, dass in früheren Zeiten hier ein wunderschöner Platz zum Verweilen und Übernachten existiert haben muss. Nach einigem Überlegen beschlossen wir trotzdem auf diesem Platz zu übernachten. Wir schlugen unsere Picknickdecke auf und kochten uns ein Abendessen. Anschließend saßen wir eine Weile auf einer heruntergekommenen Holzschaukel und planten unsere weitere Route. Mit einem klein bisschen mulmigen Gefühl aufgrund der mystischen Umgebung gingen wir anschließend schlafen.

 

27.7.2012 Dauguvieciai (7:50) – Palūšė (11:20)
Unser Tag begann um 7:00 Uhr, da Micha nicht mehr schlafen konnte. Nach einer kurzen Katzenwäsche verließen wir den verwaisten Campingplatz und steuerten uns nächstes Ziel, den Campingplatz im Aukštaitija Nationalpark, an. Dort angekommen zahlten wir 55 Litas für die Übernachtung und richteten uns ein. Der Platz bietet fast gar keinen Schatten und wird mit einem rostigen Stahlzaun begrenzt, was seiner Optik stark schadet. Nach einem verspäteten Frühstück zogen wir los zur Touristeninformation. Dort sammelten wir ein paar wenige Broschüren über den Park und planten unseren Tag. Außerdem konnten wir dort das kostenlose W-Lan nutzen. Nachdem wir am Platz unsere Sachen gepackt hatten, machten wir uns auf einen kurzen Rundweg (Botanischer Rundweg; 3,5 km) durch die angrenzenden Wälder. Die Ruhe und die pure Natur beeindruckten uns sehr. Da es mittlerweile extrem heiß geworden war, entschieden wir uns nach der Wanderung unsere Badesachen zu packen und am See eine Runde zu schwimmen. Am Campingplatz trafen wir auf einen Exclusiv-Besitzer, der uns von seiner bisherigen Reise durch Litauen erzählte. Obwohl wir von der Hitze stark mitgenommen waren, haben wir die Zeit genutzt, um nach dem Abend essen ein Brot zu backen. Anschließend tranken wir noch ein Gläschen Wein, bis die Massen an Mücken uns zwangen, in den Bus zu flüchten.

 

weiter zur zweiten Woche…

1 Gedanke zu „Baltikum 2012 – erste Woche

  1. Sehr schöner Bericht.
    Kann mich gut reindenken,habe die Tour Helsinki-Tallin-Vilnius-Kleipeda-(Kurische Nährung)-Kaunast-Danzig usw.2008 mit dem Motorrad gemacht,einfach traumhaft und muss ich mit dem Bulli unbedingt noch einmal machen.

    Gruß HAMM

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