Baltikum 2012 – vierte Woche

11.8.2012 Haapsalu (12:00) – Tallinn (17:00)
Heute ließen wir den Tag etwas ruhiger angehen. Am Platz entsorgten wir Altlasten und füllten Wasser auf. Wir lüfteten mal den Bus und kehrten den Dreck raus, der sich durch die Regentage angesammelt hatte. Gegen 12 Uhr fuhren wir Richtung Innenstadt, wo wir tankten und im Supermarkt einkauften. Anschließend machten wir uns auf nach Tallin. Auf dem Weg dorthin hielten wir in Padise und schauten uns dort die Klosterruine an. Die Sicherheitsmaßnahmen sind recht gering, so dass es recht abenteuerlich war, den Turm zu besteigen. Weiter ging es zum Pakrineem Leuchtturm in Paldiski an der Steilküste. Auch hier waren wir erstaunt darüber, dass die Küste in keinster Weise abgesichert ist. Die Aussicht von dort über das Meer und auf die Klippen war herrlich. Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir den Campingplatz in Tallinn (Pirita sadama kämping). Dieser Platz liegt am Jachthafen, der 1980 Austragungsort der Olympischen Spiele war. Der Platz ist sehr zweckmäßig und ein typischer Stadtstellplatz. Ein Wohnmobil reiht sich an das andere, die Toiletten sind recht eklig. Nach dem Essen sind wir schließlich noch an der Uferpromenade spazieren gegangen. Der Blick auf die Stadt und den Sonnenuntergang begeisterten uns, so dass Micha nochmals mit Stativ, Foto und Zubehör loszog, um Bilder zu machen.

 

12.8.2012 Tallinn
Heute stand die Besichtigung von Tallinn an. Gegen 11 Uhr fuhren wir mit den Fahrrädern in die Innenstadt. Die Strecke ist ca. 5 km lang und lässt sich bis in die Stadt gut fahren. In der Stadt ist es nicht sonderlich fahrradfahrerfreundlich. Zudem gibt es nicht sonderlich viele Abstellmöglichkeiten. An der Touristeninformation fanden wir einen bewachten Fahrradständer. Dort holten wir uns eine Stadtkarte und planten eine Tour durch die Altstadt. Das Wetter war recht freundlich. Wir schauten uns die alte Stadtmauer an, auf welcher wir ein Stück entlang gingen. Dort waren mehrere Stände mit hübschen Wollsocken und Pullis. An der Mauer war eine Blumenausstellung, bei der kunstvoll angelegte Gärten Blumen mit diversen Skulpturen kombinierten. Dort konnte sich Micha fotografisch ausleben. Nach dem wir diverse Sehenswürdigkeiten abgeklappert und die kleinen Gässchen mit den Handwerksläden bewundert hatten, fuhren wir wieder zurück zum Campingplatz. Die Fahrt gestaltete sich sehr anstrengend, da wir mit Gegenwind zu kämpfen hatten.

 

13.8.2012 Tallinn (11:00) – Võsu (16:30)
Endlich wieder mal ein Morgen an dem man von der Sonne geweckt wurde (bzw. von der Wärme der Sonne). Nach einem schönen Frühstück machten wir den Bus klar für die Weiterfahrt und checkten aus. Der Platz in Tallin hat uns 26€ für zwei Nächte gekostet. Da wir noch estisches Geld hatten, fuhren wir zu der großen Talliner Swedbank Filiale. Dort mussten wir eine Nummer ziehen und daraufhin ca. 20 Minuten anstehen, bis wir das alte Geld gegen Euros tauschen konnten.
Nachdem wir uns durch den dicken Verkehr aus der Stadt herausgequält hatten und unseren ersten Stopp, den Wasserfall Jägala juga erreicht hatten, war es bereits 12:30 Uhr. Der Wasserfall ist wirklich sehr sehenswert. Über mehrere Meter Breite stürzt sich das Wasser eine Felskante herunter, begleitet von einem lauten Tosen. Nachdem wir ausgiebig Bilder von dem Naturschauspiel gemacht hatten, ging es weiter an den See Jägala linnamägi. Dort picknickten wir am Ufer. Den Vorsatz eine Runde im See zu schwimmen gaben wir auf, da das Ufer sehr steinig und steil ist. Nun steuerten wir den Nationalpark Lahemaa an. Dort fuhren wir erst zur Nationalparkinformation in Palmse und versorgten uns mit Kartenmaterial. Danach ging es über malerische Straßen durch den Park nach Käsmu. Dort wollten wir auf einem Campingplatz einchecken. Dieser stellte sich aber als nicht besonders schön heraus und wir fuhren ein paar km zurück, um im Lepispea Campingplatz in Võsu unsere Zelte aufzuschlagen (im übertragenen Sinne…). Zunächst schlenderten wir an den Strand. Da es allerdings mittlerweile schon recht kühl wurde, gingen wir bald an den Platz zurück. Dort planten wir noch ein wenig unsere Heimreise und bereiteten uns etwas zu essen zu.

 

14.8.12 Võsu
Nach einem ausgiebigen Frühstück, starteten wir mit den Rädern eine kleine Tour durch den Nationalpark. Unser Ziel lautete Oandu. Dort gibt es einen Nature Trail, eine Wanderung durch den urwaldähnlichen Wald. Die Strecke dorthin ging die normale Straßen entlang. Fahrradwege existieren auch hier nicht. Doch von der Frau am Campingplatz erfuhren wir, dass solche geplant sind. Durch den starken Gegenwind kamen einen die 10km doch relativ lange vor. In Oandu angekommen ließen wir die Räder stehen und machten uns zu Fuß auf den Weg durch den Wald. Der Wanderpfad verläuft größtenteils auf Brettern und schmalen Brücken durch die unbewirtschaftete und sich selbst überlassene Natur. Viele Hinweistafeln zeigen an, was es alles zu sehen gibt. Leider haben sich uns die genannten Tiere (Elch, Luchs, Bär) nicht gezeigt. Dennoch war der Weg wirklich sehenswert. Nach der 4,5km langen Wanderstrecke schwangen wir uns wieder auf die Räder und fuhren mit einem Zwischenstopp bei einem kleinen Supermarkt in Võsu zurück zum Campingplatz. Dort bereiteten wir uns das frisch gekaufte Grillfleisch zu und backten noch zwei Brote als Vorbereitung auf die kommende Heimfahrt.

 

15.8.12 Võsu (12:00) – Stellplatz im Lahemaa Park (18:00)
Heute ließen wir uns wirklich viel Zeit mit dem Loskommen. Erst nach 12:00 verließen wir den Campingplatz. Von dort aus ging es erst mal zum nördlichsten Punkt Estlands. Vorbei an alten russischen Militärgebäuden ging es ein ganzes Stück durch die Wildnis des Nationalparks, bis wir einen Zeltplatz direkt am Meer erreichten. Dort fanden wir einen traumhaften Parkplatz direkt am Strand, wo wir zunächst etwas zu Mittag aßen. Gestärkt ging es dann zu Fuß weiter auf die Landzunge die noch einmal ca. 1km Richtung Norden in das Meer reicht. Der Weg war etwas anspruchsvoll, da man über viele große Felsbrocken und Steine balancieren muss. An der Spitze angekommen hat man einen tollen Blick auf Land und Meer.
Auf der Weiterfahrt hielten wir noch kurz für einen Einkaufsstopp und fuhren dann zu einem Moorsee im Südwesten des Parks. Dort gibt es einen Wanderpfad der auf Brettern durch das Moor führt. Wir entschieden uns nicht die ganze Wanderung zu machen, sondern nur bis zu einem Aussichtsturm zu gehen. Von diesem bot sich uns eine fantastische Sicht auf das Moor und diverse kleine Seen. Nach der Wanderung suchten wir uns einen Stellplatz für die Nacht. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch den estischen Wald fanden wir einen Platz in der Nähe eines kleinen Dorfes.

 

16.8.12 Stellplatz im Lahemaa Park (8:00) – Druskininkai (19:15)
Dies war unser erster „Heimfahrtag“. Wir brachen schon recht früh auf, da wir eine Strecke von rund 800km bewältigen wollten. Die Fahrt verlief auch soweit reibungsfrei bis Vilnius. Als wir mitten in der Stadt an einer Ampel standen und losfahren wollten, kam plötzlich ein lautes Dröhnen und Rumpeln aus dem hinteren Bereich des Buses. Etwas nervös steuerten wir ganz vorsichtig den nächsten Parkplatz (eine Tankstelle) an. Dort zeigte sich, dass der Auspuff-Endtopf (noch nicht einmal zwei Jahre alt) die baltischen Schlagloch-Pisten nicht überlebt hatte und nur noch sehr schräg und wackelig in seiner Gummihalterung baumelte. Da die Tankstelle sehr voll war und zudem an einem steilen Berg lag, wodurch man schlecht am Bus arbeiten konnte, fuhren wir vorsichtig aus der Stadt heraus und auf den nächsten ruhigeren Parkplatz. Dort trennten wir die Reste des Auspuffs vom Auto und fuhren von nun an ohne Endtopf weiter. Gegen 19:15 kamen wir dann ziemlich erschöpft in Druskininkai (ca. 9km vor Weißrussland) an. Nach einem schnellen Essen und einer ausgiebigen Dusche ging es recht früh ins Bett.

17.8.12 Druskininkai – Heimat
Schon sehr früh und ohne Frühstück fuhren wir bereits vor 7:00 in Druskininkai los. Über kleine Straßen ging es durch sehr ländliche Gegend zunächst bis zur polnischen Grenze und von dort dann weiter bis nach Warschau. Nachdem wir uns im Stadtverkehr an diversen Baustellen etwas verfahren hatten, fanden wir doch noch eine Auffahrt auf die nagelneue Autobahn Richtung Westen. Von hier an ging es auf der sehr gut ausgebauten Strecke, nur unterbrochen von diveresen Mautstationen, sehr zügig bis an die deutsche Grenze. Eigentlich wollten wir in Frankfurt Oder eine Nacht bleiben. Da wir jedoch schon vor 18:00 dort ankamen, entschieden wir uns noch bis nach Hause durchzufahren. Gegen 24:00 rollten wir dann auf dem heimischen Parkplatz. An diesem Tag fuhren wir beachtliche 1400km am Stück!

Fazit:

Die drei Länder haben uns sehr gut gefallen. Die teilweise nahezu unberührte Natur, die menschenleeren Strände, aber auch die Städte haben uns schwer beeindruckt. Dort kann man noch Urlaub abseits vom Massentourismus machen.
Etwas schwierig verlief ab und zu die Kommunikation mit den Einheimischen. Selbst an den Rezeptionen der Campingplätze war es nicht selbstverständlich, dass man mit Englisch oder Deutsch weiter kam. Da die Leute aber stets sehr freundlich und hilfsbereit waren, kamen wir trotzdem gut zurecht.
Preislich unterscheiden sich die Länder nicht sonderlich stark von Deutschland. Die Supermärkte bieten die gleiche Auswahl (mit teilweise vielen deutschen Verpackungen) und sind nur minimal billiger. Campingplätze sind im Schnitt etwas günstiger als in Deutschland. Die sanitären Einrichtungen entsprechen aber auch nicht denen bei uns. Oft war das Wasser bräunlich bzw. hatte einen unangenehmen Geruch.
Während des ganzen Urlaubs fühlten wir uns nie unwohl bezüglich der Sicherheit in den Ländern. Auch das freie Stehen außerhalb von Campingplätzen ist durchaus gut möglich.
Gewöhnungsbedürftig sind die teilweise noch sehr schlechten Straßenzustände im Innland. Oftmals gab es zu den wirklich schönen Punkten nur Schotter- oder Sandpisten. Aber auch die asphaltierten Straßen sind teilweise mit vielen Schlaglöchern übersäht. Da die Straßen außerdem streckenweise sehr eng sind, war der T4 von den Abmessungen optimal.

Zusammenfassung:
Reisedauer: vier Wochen
gefahrene Strecke: ca. 6000km (davon ca. 800-1000km Schotter und Sandpisten)
Dieselverbrauch: ca. 8,5l (ACV mit DPF, AT-Räder)
Gesamtkosten inkl. Diesel, Fähren, Maut und Essen: unter 2500€ für zwei Personen

4 Gedanken zu „Baltikum 2012 – vierte Woche

  1. Hallo Ihr Beiden,

    sehr schöner Bericht, einen Großteil eurer Besichtigungen haben wir auch im Jahr 2005 und 2010 besucht. Warum habt ihr aber die Luftschiffhallen in RIGA verpasst….das sind heute die größten Markthallen in Europa.

    Nun sind es für uns noch knappe 6 Wochen, da sind wir dann auch wieder auf dem Weg ins Baltikum.

    Lieben Gruß aus Berlin
    Sylvi und Tommi am 16.05.2013

    1. Hi,

      Die Luftschiffhallen haben wir uns angesehen. Allerdings waren wir nicht so begeistert. Lag eventuell auch daran, dass wir kurz vor „Feierabend“ dort waren und viele der Stände bereits angefangen hatten leer zu räumen…
      Viel Spaß euch beiden im Baltikum

      Gruß

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